Fotoshooting die Zweite

18. Dezember 2011

Die Arbeiten an der neuen Platte gehen voran. Nach einigen verpassten Gelegenheiten an denen wir vollzählig und länger als gefühlte 10 Sekunden an einem Ort (in diesem Fall Göttingen) versammelt waren, ging es heute zusammen mit Inge raus in die freie Natur zum Fotoshooting. Dabei konnten wir das sadistische Wesen, was laut Inge in den meisten Fotograf_innen steckt, an eigenem Leib erfahren. Aber der Reihe nach: Das erste Ziel unseres Sonntagsspazierganges – mit Klappleiter, Müllsäcken und Kamera bewaffnet – war ein Kinderspielplatz: Hier entdeckten wir die Kinder in uns wieder und trieben auf diversen Spielgeräten unsere eingerosteten Knochen im Rausch der Höhe zu wahren artistischen Höchstleistungen. Mit der Artistik ging es dann weiter, allerdings waren die Bewegungsmöglichkeiten bei der nächsten Station doch arg begrenzt, da wir uns zu fünft in ein etwa 1 qm  großes Luxusappartement quetschen und dabei nach Anweisung von Inge auch noch möglichst ungezwungen und unverkrampft aussehen sollten.

Kaum hatten wir unsere Gliedmaßen wieder den jeweiligen Besitzer_innen zugeordnet, führte uns Inge mit wissendem Lächeln weiter zur Leine (ein kleiner Fluss). Hier merkten wir schnell, dass die Verzögerung des Fototermins bis in den nasskalten Dezember in gewisser Weise als eine Art Eigentor bezeichnet werden kann. Auf der Suche nach  einem geeigneten Ort für die Fotos mussten schlammige Untiefen, trügerische Morastgebiete und Treibsandfelder durch freiwillges Voranschreiten erst ausfindig gemacht werden, um dann von den anderen weiträumig umgangen werden zu können. Dabei konnte Friedel eine interessante Entdeckung machen, die in einer angeschwemmten und völlig verschlammten (und mit einem vermutlich unglaublich erdigen Klangcharakter gesegnete) E-Gitarre bestand. Weiteres Equipment blieb trotz ausdauernder Suche leider Fehlanzeige.

Spätestens als wir am Ort des Geschehens angekommen waren, hatten alle nasse und um etliche Nummer gewachsene Schuhe. Der auserwählte Platz unterschied sich leider nur unwesentlich von den bisherigen Unwegsamkeiten, und hier kam nun Inge’s sadistische Ader völlig zur Geltung, als sie uns ihre Anweisungen zur Bildkomposition gab: Wir sollten uns hinlegen, damit sie mittels der Leiter von oben herab Fotos von uns machen konnte. Es war ihr anzusehen, das es scheinbar einen unglaublichen Spaß machen muss, fünf sich vor bzw. unter einem im Schlamm wälzende Menschen zu fotografieren. Nach wenigen Unendlichkeiten war sie dann doch damit fertig und gestattete uns aufzustehen … auf die Ergebnisse unser  sind wir alle gespannt. Hoffentlich kommt auch der Schlamm richtig zur Geltung, denn der Abstecher in die schlammigen Abgründe Göttingens hat uns trotz allem eigentlich viel Spass gemacht. Nochmal vielen Dank Inge, für deine Ideen, nassen Füsse und sehr viel Geduld – wenn du das hier liest, dann lass dir gesagt sein, nächstes Mal wird nur noch im Hochsommer fotografiert!

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